In publica commoda

Presseinformation: Zielkonflikt in der Waldbewirtschaftung

Nr. 118 - 08.09.2026

Mischwälder bieten Kompromiss zwischen wirtschaftlichem Nutzen und Biodiversität

 

(pug) Steigende Anforderungen an den Schutz der Biodiversität erfordern eine angepasste Bewirtschaftung von Wäldern. Doch wie lassen sich dabei Artenvielfalt und wirtschaftliche Nutzung möglichst gut miteinander vereinbaren? Dieser Frage ist ein Forschungsteam der Universität Göttingen in niedersächsischen Wäldern nachgegangen. Die Analysen zeigen: Besonders Mischbestände mit heimischen Baumarten wie der Buche und kleinräumig beigemischter Douglasie erweisen sich als wirksamer Kompromiss zwischen ökonomischen Zielen und Naturschutz. Allerdings gehen höhere Biodiversitätsziele mit wirtschaftlichen Einbußen einher, sodass finanzielle Ausgleichsmechanismen erforderlich sind. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Ambio veröffentlicht.

 

Für die Untersuchung kombinierten die Forschenden Messdaten aus 40 Versuchsflächen in den Wirtschaftswäldern Niedersachsens. Sie berücksichtigten Rein- und Mischbestände aus Buche, Fichte und Douglasie. Für jede untersuchte Fläche berechneten sie eine Bodenrente, also den durchschnittlichen jährlichen finanziellen Ertrag, sowie die Artenvielfalt von fünf Organismengruppen von Bodenpilzen bis zu Käfern in den Baumkronen. Aufbauend auf diesen Daten untersuchten sie mithilfe von Modellrechnungen, wie sich unterschiedliche Waldzusammensetzungen auf Biodiversität und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auswirken. Konkret ermittelten sie, welche Zusammensetzung aus Misch- und Reinbeständen bei verschiedenen geforderten Biodiversitätszielen den höchsten wirtschaftlichen Nutzen ermöglicht. Dabei berücksichtigten sie auch, dass sich sowohl die zukünftige Leistungsfähigkeit der Wälder als auch die Lebensraumqualität für die untersuchten Arten nicht sicher vorhersagen lassen.

 

Wie stark der Zielkonflikt zwischen wirtschaftlichem Nutzen und Biodiversität ausfällt, hängt maßgeblich von der jeweils betrachteten Organismengruppe ab. „Unsere Modellergebnisse deuten darauf hin, dass es in einem Forstbetrieb sinnvoll ist, neben Mischbeständen weiterhin Anteile an Reinbeständen zu erhalten. So lässt sich das Risiko reduzieren, verschiedene Ökosystemleistungen wie Holznutzung oder Artenvielfalt gleichzeitig zu verlieren, wenn sich die Umweltbedingungen ändern", sagt Erstautorin Julia Klenke von der Abteilung Forstökonomie und nachhaltige Landnutzungsplanung der Universität Göttingen.

 

Waldbesitzende, die hohe Biodiversitätsleistungen als Ziel setzen, müssen wirtschaftliche Einbußen in Kauf nehmen und stehen dadurch bis zu einem gewissen Grad wirtschaftlich schlechter da. „Hier könnten finanzielle Anreize oder Entschädigungen ansetzen, um diese Einbußen abzufedern", so Klenke.

 

Die Studie entstand im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Graduiertenkollegs „EnriCo: Der Einfluss funktionaler Eigenschaften beigemischter Koniferen auf die Funktionsweise von Rotbuchenökosystemen“.

 

Originalveröffentlichung: Klenke, J., von Groß, V., Fuchs, J.M. et al. Balancing biodiversity and economics: Using robust Pareto-optimisation to quantify ecological–economic trade-offs in German mixed beech forests. Ambio (2026). DOI: https://doi.org/10.1007/s13280-026-02441-8

 

Kontakt:

Julia Klenke

Georg-August-Universität Göttingen

Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie

Abteilung Forstökonomie und nachhaltige Landnutzungsplanung

Büsgenweg 3, 37077 Göttingen

E-Mail: julia.klenke@uni-goettingen.de

Internet: www.uni-goettingen.de/de/680891.html

 

Prof. Dr. Carola Paul

Georg-August-Universität Göttingen

Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie

Abteilung Forstökonomie und nachhaltige Landnutzungsplanung

Büsgenweg 3, 37077 Göttingen

E-Mail: carola.paul@uni-goettingen.de

Internet: www.uni-goettingen.de/de/588671.html